Bologna steht für einen europaweiten Aufbruch zu international vergleichbaren Studienabschlüssen sowie für ein Mehr an Mobilität und Internationalität von Studierenden. In Deutschland fällt die 10-Jahresbilanz dieses Reformprozesses zwiegespalten aus. Viele Wissenschaftler und Studierende beklagen als Folgen von Bologna die Verschulung des Studiums, fehlenden Praxisbezug sowie die Einschränkung statt der Ausweitung von Mobilität. Die Befürworter sprechen von besser aufeinander abgestimmten und transparenteren Studienplänen mit der Folge effizienterer Studienverläufe. Geteilte Meinungen herrschen ebenso bei der Einschätzung zweier Exzellenzrunden vor, mit denen Bund und Länder Spitzenforschung an dafür besonders gut aufgestellten Universitäten zusätzlich fördern wollen. Neben einigen Gewinnern gab es viele nicht berücksichtigte Anträge, so auch aus der TU Braunschweig. Protagonisten und Kritiker der beiden Großprogramme zur Neuaufstellung bzw. Profilierung von Lehre und Forschung werden in der Ringvorlesung ihre (Zwischen-) Bilanzen ziehen und über weitere Reformperspektiven sprechen.

Zum Auftakt am kommenden Montag, 22. Oktober 2012, wird Prof. Dr. Dieter Jahn, Institut für Mikrobiologie, Vizepräsident der TU Braunschweig, über das Thema »Massive Umwälzungen im deutschen Universitätsbetrieb – ein Bericht aus der Praxis an der TU Braunschweig« referieren.

 

Prof. Dr. Dieter Jahn war wie alle Institutsleiter der Biowissenschaften hautnah am Umstellungsprozess der Diplom- auf Bachelor- und Masterstudiengänge in Biologie und Biotechnologie beteiligt. Trotz kontrovers geführter Diskussionen im Senat der TU Braunschweig hat er als Vertreter der Biowissenschaften für die Abschaffung der Diplomstudiengänge und die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen gestimmt. Heute sieht er diese Entscheidung deutlich differenzierter. Bei der zweiten Exzellenzrunde 2011/12 koordinierte Dieter Jahn ein NTH-Exzellenzcluster mit dem Titel »BioSurf – Biology on Surfaces«, dem der endgültige Erfolg einer Förderzusage versagt blieb. Dieter Jahn wird diese vielfältigen Erfahrungen in seinem Vortrag reflektieren; als ausgewiesener Exzellenzforscher auf dem Gebiet der Mikrobiologie vermag er wie nur wenige den Wert der Exzellenzrunden für die Spitzenforschung einzuordnen.

Zur Person:
Prof. Dr. Dieter Jahn ist seit Oktober 2012 als Mitglied des Präsidiums der TU Braunschweig zuständig für Fragen der Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses. Er arbeitet am Institut für Mikrobiologie und ist unter anderem Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs »Vom Gen zum Produkt«. Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung steht Dieter Jahn als Berater für das Programm Biotechnologie zur Verfügung. Seit 2010 koordiniert der Mikrobiologe den Aufbau des Systembiologiezentrums BRICS, gemeinsames Projekt der TU Braunschweig und des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung. Seit 2004 ist er zudem für die Struktur- und Entwicklungsplanung der Biowissenschaften der TU Braunschweig und der Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH) verantwortlich.

 

Zeit / Ort:
18.30 Uhr / Hörsaal PK 11.1, Pockelsstr. 11, Haus der Wissenschaft, EG

Gesamtleitung:
Prof. Dr. Henning Hopf, Prof. Dr. Herbert Oberbeck

Die Ringvorlesung wendet sich ausdrücklich auch an interessierte Bürger der Region.

 

Themen und Termine der Ringvorlesung der TU Braunschweig im Wintersemester 2012/13
»10 Jahre Bologna – und zwei Exzellenzrunden: Wo steht die TU?«

  • 22. Oktober 2012
    Prof. Dr. Dieter Jahn, Institut für Mikrobiologie, Vizepräsident der TU Braunschweig
    Massive Umwälzungen im deutschen Universitätsbetrieb – ein Bericht aus der Praxis an der TU Braunschweig
  • 05. November 2012
    Prof. Dr. Frank Eggert, Institut für Psychologie, TU Braunschweig
    Hochschulen als Fabriken: Die industrielle Produktion von Bildung
  • 19. November 2012
    Prof. Dr.-Ing. Manfred Hamann, Vizepräsident der Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel
    Geplante und erreichte Ziele der Bologna-Reform
  • 03. Dezember 2012
    Prof. Dr. Ute Götzen, AutoUni/Volkswagen, Wolfsburg
    Bachelor- und Masterabsolventen in der Praxis – Eindrücke eines Unternehmens
  • 07. Januar 2013
    Prof. Dr. Axel Plünnecke, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln
    Geschäftsmodell Deutschland –
    die Bedeutung der naturwissenschaftlich-technischen Qualifikationen
  • 21. Januar 2013
    Prof. Dr. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Bonn
    Zwischen Anspruch und Wirklichkeit –
    zur Rolle der Universitäten in der (Aus)bildung junger Menschen
  • 28. Januar 2013
    Prof. Dr.-Ing. Jürgen Hesselbach und Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach,
    Präsidenten der TU Braunschweig und der Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel
    Zukünftige Kooperation zwischen Hochschulen und Universitäten

 

Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Oberbeck
Institut für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig
Tel. 0531 391-8935
E-Mail: h.oberbeck@tu-braunschweig.de

Weitere Informationen unter
Ringvorlesung_2012_13.pdf



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